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Heimischer Mittelstand steht vor großen Herausforderungen
11. Oktober 2016
„Zukunftsdialog Mittelstand“: Orientierung und Hilfe für die KMUs des Landkreises Saarlouis

Die Resonanz auf den ersten „Zukunftsdialog Mittelstand“ für die Unternehmen des Landkreises Saarlouis im Victor’s Hotel war groß. „Wir sind mit der Beteiligung von rund 140 Unternehmensvertretern sehr zufrieden und haben mit dem hochaktuellen Thema auf die drängenden Informationsbedürfnisse unserer kleinen und mittleren Unternehmen, den KMUs, reagiert. Mit den Themen des Dialogs bieten wir Orientierung und praktische Hilfen an“, so Jürgen Pohl, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung Untere Saar (WFUS) des Landkreises Saarlouis. Praxisnahe Informationen konnten sich die Dialog-Teilnehmer gleich ,vor Ort‘ bei den Partnern holen, die die WFUS mit ins Boot geholt hatte – wie den Arbeitskreis Wirtschaft (akw), die saarland innovation&standort (saaris), das saarländische Wirtschaftsministerium oder die Saarländische Investitionskreditbank (SIKB).

Praktische Wirtschaftsförderung ist längst nicht nur mehr allein Sache einer Landesgesellschaft, denn „all business is local“ oder – vereinfacht gesagt – die Musik spielt direkt in den Unternehmen. „Daher ist ein Landkreis auch gut beraten, sich mit dem Mittelstand in seinem Bereich zu beschäftigen“, sagte Patrik Lauer, Landrat des Kreises Saarlouis. Die KMUs sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor, auf sie entfällt im Saarland rund 50 Prozent des erwirtschafteten Bruttosozialproduktes, so Lauer. „Wir haben im Landkreis Saarlouis einen robusten Mittelstand, der sich auch vielfach global tummelt , aber sich der Region verpflichtet fühlt. Gerade angesichts der Globalisierung kommt dem Mittelstand als stabiler Faktor im Wirtschaftsgefüge eine wichtige Rolle zu“, so Lauer.

Landkreis Saarlouis: Viele Projekte für den Mittelstand
Daher habe sich der Landkreis schon früh mit verschiedenen Aktionen und Projekten um die Förderung der regionalen KMUs gekümmert. Hier nannte Lauer die Weiterbildungsberatung und –förderung, das KITA –Projekt im Campus Nobel in Saarwellingen (die dritte Einheit geht bald in Betrieb), das Schülerforschungsprogramm für Nachwuchskräfte oder die Startbahn 25, ein Modellprojekt, in dem leistungsschwache junge Menschen an die Hand genommen werden, um sie für einen beruflichen Einsatz fit zu machen.

Digitalisierung: Den Menschen die Angst nehmen
Die ganz großen, ineinander greifenden Herausforderungen in allen Unternehmen heißen Digitalisierung, digitale Transformation und „Industrie 4.0“ als vierte Stufe der industriellen Revolution. Die Digitalisierung, im Alltag ja längst präsent mit dem selbstverständlichen Einsatz von Rechnern am Arbeitsplatz oder privat mit dem allgegenwärtigen digitalen Mobilgeräten, geht in eine neue Dimension über: Die geplante und absehbare totale Vernetzung der Produktion von Gütern, der Beziehungen zwischen Lieferant und Kunde. „Die Digitalisierung ängstigt viele Menschen, stellte André Winzer, Managing Director des Berliner Innovations-Beratungs-Unternehmens Schaltzeit, fest. Die digitale Transformation verändert in den Unternehmen Organisationsstruktur und –kultur und die Kundenansprache erfolge über verschiedene Kanäle, so Winzer. Und weiter: „Die digitale Transformation erfordert in den Unternehmen neue Kernkompetenzen der Mitarbeiter.“ Für die Unternehmensführungen stelle sich die Herausforderung, den Menschen ihre (verständlichen) Zukunftsängste zu nehmen und sie mitzunehmen. Der menschliche Beharrungs- und Trägheitsfaktor müsse überwunden werden. Gerade Industrie 4.0 schaffe ein enormes Potenzial für die KMUs, man müsse den „Pinguineffekt“ ausschalten: Die Pinguine sammeln sich auf einer Eisscholle und jeder wartet ab, bis der erste ins Wasser springt. Einer muss also mutig vorangehen.

Innovationsmanagement: Herausforderung für KMUs
Innovationen müssen auch umgesetzt werden, damit sie ein wirtschaftliches Ergebnis einspielen. Denn die beste Idee nützt wenig, wenn sie nicht am Markt ankommt. Dazu gab Patrick Rosar von der saraland.innovation&standort e.V. (saar.is) praktische Tipps. Innovation müsse auch gemanagt werden, eine Herausforderung für jedes Unternehmen. Hierzu nannte Rosar als Stichworte das Cloud Computing, Vernetzung, Big Data, Data-Mining, Künstliche Intelligenz oder Deep Learning. Technologische Trends und Herausforderungen für die Unternehmen (ob groß oder klein) seien Industrie 4.0, M2M (Machine to machine)-Communication, Assistenzsysteme und additive Fertigungsverfahren.

In welchen Branchen liegen Chancen?
In welchen Geschäftsbereichen liegen künftig große Chancen? Hier nannte Rosar etwa den gesamten Healthcare(Gesundheits)-Sektor mit den Stichworten Personalisierte Diagnostik, Tele-Medizin, Prothetik und Labortechnik. In dem für das Saarland wichtigen Automotive-Sektor zeichnen sich neue Antriebe im Hinblick auf die Elektro-Mobiltität ab, Fahrerassistenzsysteme bis zum autonomen Fahren oder Car-to-Car-Communication. Patrick Rosar: „Jedes einzelne Unternehmen steht vor der Aufgabe, seine Rolle und seine Position auf dem Markt von morgen zu planen und zu erreichen.“

Joachim Berendt (Unternehmensberatung Berendt & Partner, Saarbrücken) beleuchtete den „Erfolgsfaktor Wissenstransfer für KMUs“. Wissensmanagement sei ein Prozess, der systematisch angegangen und umgesetzt werden müsse. Voraussetzung seien Erfassung und Analyse des in Unternehmen und bei den Mitarbeitern vorhandenen Wissens. Das sei meist größer als angenommen. Berendt erinnerte an den Spruch des früheren Siemens-Chefs Heinrich von Pierer: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens alles weiß.“

Digitalisierung praktisch begreifen
Theoretisch-abstrakte Durchdringung der neuen Anforderungen an Firmenchefs und Mitarbeiter sind eine Seite – das alle auch zu begreifen und einzuordnen, ist die andere Seite der angelaufenen und sich täglich beschleunigenden Entwicklung der Digitalisierung, die mittlerweile nahezu jeden Lebens- und Arbeitsbereich erfasst hat. Dazu präsentierte Julia Hartnik vom Saarbrücker K8-Instutut für strategische Ästhetik den Zuhörern einfach dargestellte, gleichwohl spannende Beispiele wie das Internet der Dinge, einen 3-D-Drucker, Einfach-Musik mit Banane oder ein leitendes Wasserglas. Es ging um die Erweiterung des Erkennungshorizonts, um die Überwindung eingefahrener Denkstrukturen. „Wie kann ich neue Leute in die Projektförderung holen? Wir brauchen offensive Welten“, so Hartnik. „Wenn die Entscheider keine Ideen haben, habe ich auch keine Innovation.“

Mehr Information zu Förderung und Finanzierung
Natürlich ging es auch ums Geld, um Finanzierung. Das Wirtschaftsministerium hat die im Land vorhandenen Finanzierungsangebote neu gestaltet, verbessert und in der Präsentation etwa mit einem neuen Handbuch, aber auch im Web, optimiert. Jürgen Lehnhof und Wolfgang Gutte vom Saar-Wirtschaftsministerium stellten die Palette der Finanzierungsmöglichkeiten vor. Die Möglichkeiten der Finanzierung durch die SIKB erläuterte Alexander Schmitt und riet: „Bei jedem strategischen Vorhaben sollte der Einsatz von Fördermitteln geprüft werden.“ Darauf wies auch die saarländische Wirtschaftsministern Anke Rehlinger hin: „Die Förderung der KMUs ist ein großes Anliegen auch der EU. Wir haben viele Finanzierungsinstrumente für die Saar-Wirtschaft, aber die sind nicht überall bekannt, wir wollen diese Wissensdefizite vermindern und alle Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten noch bekannter machen.“

Text: Udo Rau


v.l.ln.r. Patrick Rosar (saar.is), Julia Hartnik (k8), Dr. Sönke Zehle (k8), Christiane Liebe (Dorucon - Dr. Rupp Consulting GmbH), Andreas Quak (Global Retool Group Lebach), André Winzer (Schaltzeit GmbH), Alexander Schmitt (SIKB), Jürgen Pohl (WFUS), Landrat Patrik Lauer, Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger, Dr. Wolfgang Gutte, Jürgen Lenhof (Wirtschaftsministerium) und Tim Vollmer (K8).

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